Klinik unter den Tannen (2018) DE

Die „Klinik unter den Tannen“

15./16.06.2018

Gemeinschafts-PU mit NGGH (New Generation Ghosthunter)

Die ehemalige Lungenheilstätte wurde Ende des 19. Jahrhunderts in sehr massiver Bauweise im Harz errichtet. 1902 fand die Einweihung statt; die Bettenkapazität wurde im Laufe der nächsten Jahrzehnte kontinuierlich vergrößert. 1927 war die Klinik ein modernes Lungenkrankenhaus mit rund 130 Betten, bis 1933 folgten weitere Erweiterungen und schließlich die Aufstockung auf 180 Krankenbetten. Die Klinik blieb während beider Weltkriege jeweils unverändert in Betrieb. Nach Rückgang der Tuberkulose wurde zunächst versucht den wirtschaftlichen Niedergang dadurch abzuwenden, dass man statt nur weiblicher nun auch männliche Patienten aufnahm. Obwohl diese Maßnahme von Erfolg gekrönt war, wurde die Klinik durch die Bezirksregierung Magdeburg 1967 kurzfristig geschlossen. Die Nationale Volksarmee (NVA) nutzte die ehemalige Lungenheilstätte ab 1968 gemeinsam mit Grenztruppen der DDR als Kurheim. Ab 1986 wurden auch Bürger der umliegenden Gemeinden behandelt. Nach der Wende 1989 zeigte die Bundeswehr als neuer Eigentümer kein Interesse an dem Objekt. Waren die Gebäude noch 1992 gut erhalten, setzte in der darauffolgenden Zeit des Leerstands schnell der Verfall ein.

Heute präsentiert sich ein komplett entkerntes Hauptgebäude, dessen Dach und teilweise die Geschosse an einigen Stellen eingestürzt sind. Der morbide Charme wird durch den schlechten Erhaltungszustand natürlich eher begünstigt. Neben dem Hauptgebäude existieren noch ein paar Nebengebäude, die in keinem wesentlich besseren Zustand sind. Das komplette Gelände ist verpachtet und kann nach Voranmeldung gegen Entgelt besichtigt werden. Zudem bietet der jetzige Pächter auf dem Gelände ein „Erlebnis-Camping“ sowie Schlittenhundfahrten an. Vor unbefugtem Zutritt sei an dieser Stelle einmal mehr gewarnt: Der Pächter wohnt auf dem Grundstück und es gibt überall Kameras und Bewegungsmelder

Obwohl bereits etliche Räume und Bereiche wegen Einsturzgefahr abgesperrt bzw. nicht betretbar sind, offenbarte sich für die beiden Teams ein großer Bereich, der untersucht werden konnte. Als interessant stellten sich bei der Vorbegehung am Freitagnachmittag vor allem der gesamte hintere Bereich des Hauptgebäudes sowie der Speisesaal im 1. Obergeschoss dar. Im 2. Obergeschoss war es ebenfalls der hintere Bereich, der das Ghosthunter Explorer-Team am meisten faszinierte. Am Freitagabend wurde eine erste PU ohne Technik abgehalten, bei der es unten an der Treppe zu einem Energieaufbau kam. Im ersten Obergeschoss schlug im Labor das Parascope an, Micha bekam Atemschwierigkeiten und Peps Schmerzen in der Blinddarm-Region und am Rücken. David von den NGGH klagte später über starke Ohrenschmerzen. Wie bei den Voruntersuchungen durch das NGGH zeichnete sich hier ab, dass das Parascope scheinbar nur reagierte, wenn niemand im Raum war. Bereits beim ersten Mal hatte sich das Team gerade in eine Richtung entfernt, als das Gerät aufleuchtete. Dies schien sich so fortzusetzen. Die Energie selbst zeigte sich sehr diffus: Mal war sie sehr deutlich durch Kribbeln, Kälte, Gänsehaut und das starke Gefühl Beobachtet zu werden zu spüren, dann wieder schien sie vollständig zu verschwinden. Auffällig war, dass viele Geräte trotz neuer Batterien sehr schnell an ihr Limit kamen. Im weiteren Verlauf der „Light-PU“ kam es seitens Micha zu einer Schattensichtung und es wurden Schritte gehört. Peps und Sonja nahmen gleichzeitig im Speisesaal eine weibliche Energie wahr und es entstand eine kurze Kommunikation: Die Energie reagierte scheinbar auf die Aufforderung, bei einem „Ja“ zu klopfen oder ein ähnliches Geräusch (in diesem Fall einem Knacken vergleichbar). Es erfolgte ein sehr deutliches Knacken aus der Ecke in der sich die Energie laut dem Gefühl von Peps und Sonja auch befand auf die Frage, ob sie ein Kind verloren habe. Auf Nachfrage, ob es sich bei dem einmaligen Knacken um ein Ja gehandelt habe, knackte es sehr laut und deutlich erneut. Sonjas Aussage „Wir können Ihnen vielleicht helfen“ folgte ein extrem starkes Gefühl, das sowohl ihr als auch Peps die Antwort „mir kann niemand helfen“ vermittelte. Sonja fühlte im weiteren Verlauf eine sehr starke Traurigkeit; Sunny fühlte sich beobachtet vom Flur aus und Micha nahm eine Silhoette am Fenster wahr, genau in dem Moment, als Peps und Sonja die scheinbare Antwort der Energie fühlten. Es wirkte danach auf alle Anwesenden, als wäre die Energie erschöpft, sodass man für den heutigen Abend abbrach.

Untersuchung am 16.08.2018

Noch während des Aufbaus nahm Sonja im zweiten Obergeschoss plötzlich einen sehr intensiven Feuergestank wahr, sodass sie tatsächlich glaubte, es würde brennen. Eine sofortige Kontrolle blieb jedoch ergebnislos, auch die Überprüfung, ob der Geruch vielleicht von draußen kam, verlief negativ. Beim Rückweg in das 2. OG war der Geruch verschwunden.

Im Treppenhaus zwischen EG und 1. OG ertönte ein Geräusch ähnlich einem Fauchen. Im Labor roch Peps Parfüm. Ein „Ja“ wurde beim Aufbau vor Ort deutlich gehört.

Technikverteilung:

1 OG:

DVR-System

Flur & Lasergrit&DVR Cams (siehe Dokumentation)

Movetest

Quija-Board im Speisesaal

Großer Movetest im OP-Nebenraum

Murmeln und Bewegungsmelder in der Durchreiche des Labors

Als Erstes untersuchte GET das 2. Obergeschoss. Hier reagierte das Parascope, es waren Schritte und Knacken sowie scheinbar Frauenstimmen zu hören, sogar ein Knall oder ein ähnliches lautes Geräusch aus dem vorderen Gebäudebereich. Auch ein „Pst“ war im Bereich des Treppenhauses live zu hören.

Peps und Sunny wurden an den Haaren angefasst; es ertönte nach Verlagerung der PU ins 1. OG erneut ein Fauchen oder Knurren, dieses Mal scheinbar aus dem ehemaligen OP.

Bei einem gemeinsamen Trigger-Versuch (GET und NGGH) im Laborbereich kam es zu einem Energieaufbau, der insbesondere Micha Gänsehaut bescherte. Als Sonja anschließend weiter triggerte, schlug das Parascope an. Es schienen Schritte aus dem OP zu kommen, im Raum hinter Sunny ertönte ein Knacken und David hatte die ganze Zeit das Gefühl, Musik zu hören. Ein zweites Mal schien jemand „Pst“ zu sagen, dieses Mal aus der Richtung des Labors.

Im Speisesaal waren wieder beide Teams anwesend.  Micha war plötzlich überzeugt, dass jemand das Gebäude betritt. Er hatte deutlich eine Tür gehört. Als alle den Raum verlassen wollten, drehte sich Sonja aus einem Gefühl heraus um und sah, dass das Parascope anschlug. Die Energie kam aus der Ecke, in der Peps und Sonja die weibliche Energie die ganze Zeit bereits wahrgenommen hatten, und bewegte sich auf David zu, der die vermutliche Frau aufforderte, ihm die Hand zu geben. Er hatte das starke Gefühl, tatsächlich an der Hand berührt zu werden. Eine Überprüfung des Gebäudes auf einen Eindringling verlief negativ. Die Teams gingen zurück in  den Speisesaal und setzten die Untersuchung fort.

Auf die Frage, ob die männlichen Teammitglieder den Raum verlassen sollten, erfolgte ein einmaliges Knacken, das jedoch auf Aufforderung nicht wiederholt wurde. Dennoch teilten sich die Teams nach Geschlechtern und prompt reagierte das Parascope praktisch augenblicklich, als die Frauen im Speisesaal alleine waren. Es erfolgte eine kurze Reaktion auf die Aufforderung, einmal bei „Ja“ und zweimal bei „Nein“ zu klopfen, zudem hatte Sonja die ganze Zeit das Gefühl, als würde sich die Wesenheit an sie klammern. Sie empfand kurzzeitig extrem starke Trauer und Schmerzen. Als sie sich schließlich von ihrem Standort entfernte in Richtung Sunny verschwand auch die Energie und kehrte scheinbar nicht zurück.

Die männlichen Teammitglieder im 2. OG hörten erneut Musik und Schritte. David überkam eine plötzliche, sehr heftige Übelkeit und Atemnot, sodass schließlich abgebrochen werden musste.

Ergebnisse:

Movetests: keine

Videoauswertung: keine

Fotoauswertung: keine

Tonauswertung:

EVP 1-3 (siehe Dokumentation)

Während des Trigger-Versuches: „Holt mich hier raus“

Auf die Frage, ob sich jemand im OP befindet: „Ganz hinten“

Auf die Frage, ob uns jemand helfen kann: „Ich nicht“ (kindliche Stimme)

EVP 4 (siehe Dokumenation)

Micha, David & David im 2.OG

Auf Michas Frage, ob jemand die drei beobachtet oder bei ihnen steht: „Ich sitze da“

EVP 5

Freitag, Speisesaal

Auf Peps Frage, ob ihr [der vermuteten weiblichen Wesenheit] ein Kind weggenommen wurde, ertönt ein deutliches Knacken oben aus der Ecke, in der Sonja und Peps die Frau wahrnehmen. Auf Nachfrage („Wenn das ein ‚Ja‘ war, könnten Sie das dann bitte wiederholen?“) ertönte das Knacken aus genau derselben Richtung wieder.

EVP 6 (siehe Dokumentation)

Micha, Peps, Sunny & Sonja im 2. OG

Schritte aus dem vorderen Bereich

EVP 7

Speisesaal, Susanne, Sunny & Sonja

Männliche Stimme: „Kribbeln“, Sonja sagt: „Ja, das merke ich, danke.“

EVP 8 (siehe Dokumentation)

Speisesaal, Passiv EVP 

Weibliche Stimme: „Komme gleich“

EVP 9 (siehe Dokumentation)

Freitag, 1. OG Laborbereich, Sandra allein tagsüber unterwegs

Kindliche Stimme: „Hallo, kommst du zu mir?“

Anmerkung 1: Die EVP-Interpretation beruht auf den bei der Auswertung von praktisch allen Anwesenden verstandenen Worten. Dennoch handelt es sich in dem einen oder anderen Fall um Mutmaßung und es ist natürlich möglich, dass jemand anderes auch etwas anderes versteht – bitte uns dann mitteilen, danke!

Anmerkung 2: Die EVP-Anzahl ist extrem auffällig. Wir können nur spekulieren, ob es an der teilweise etwas veränderten Herangehensweise lag oder ob die Location einfach nur besonders stark frequentiert ist von Seelen, die sich nahezu ausschließlich über Tonband mitteilen.

 Es muss außerdem angemerkt werden, dass es sich selbstverständlich um ein Gebäude handelt, dass eher Ruine als erhalten ist. Dadurch sind gewisse Geräusche wie Knacken, Klopfen, Schaben, Putz der von der Decke bröselt oder gar ganze Steine keine echte Seltenheit. Umso wichtiger ist es uns darauf hinzuweisen, dass wir natürlich nicht jedes noch so kleine Geräusch oder jede noch so kleine Aufmerksamkeit als paranormal bezeichnen. Interessant wird es immer, wenn vermeintliche eine Kommunikation entsteht oder es einen sichtbaren oder auch manchmal nur fühlbaren Zusammenhang mit anderen Phänomenen gibt, z.B. ein lautes Klopfen auf Aufforderung und das Parascope reagiert. In diesem speziellen Gebäude gibt es im Dachgeschoss auch Waschbären (Videobeweis existiert); durch die offenen Fenster und das teils eingestürzte Dach fliegen Vögel ein und aus. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass letztlich doch das eine oder andere Mal ein Geräusch eine ganz und gar natürliche Ursache hat. Wir bemühen uns immer, das Ganze zu sehen: Geräusch, Gefühl, Technik. Aber gerade der erste, überhaupt nicht Technikbasierte Teil unserer Untersuchung hat gezeigt, dass ohne die Konzentration auf die Technik viel mehr wahrgenommen werden kann und vielleicht ja auch die Kommunikation eine einfachere ist. Das „Ghosthunting“ in Deutschland ist sehr technikorientiert und wird dies sicherlich auch bleiben; leider gibt es ja auch genug Negativbeispiele hinsichtlich Fakes und Selbstdarstellung. Dennoch sollten wir uns vielleicht hin und wieder tatsächlich einmal auf unsere Wurzeln besinnen: Das Übersinnliche ist nicht erst seit den letzten Jahrzehnten ein mehr oder minder präsenter Begleiter des menschlichen Lebens, sondern war dies schon immer. Die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten hatten keine Möglichkeit paranormale Phänomene aufzuzeichnen. Mussten sie auch nicht: Ihre Existenz wurde in vielen Kulturen als absolut selbstverständlich hingenommen. In England und Irland ist der Umgang mit dem Paranormalen noch heute deutlich entspannter als bei uns. Wir werden immer technikorientiert arbeiten, aber wir stellen auch fest (ganz ohne in die Richtung „Medialität“ abdriften zu wollen – niemand von uns bezeichnet sich als medial!), dass es manchmal wesentlich effektiver ist, die eigenen Sinne zu benutzen.

Wir danken dem Pächter der „Klinik unter den Tannen“ für die Erlaubnis, dieses außergewöhnliche Objekt untersuchen zu dürfen. Ganz besonderer Dank geht an unser Partnerteam NGGH für die Einladung, Organisation und fantastische Gastfreundschaft! Wir freuen uns auf’s nächste Mal J!!!