Burg Taufers (2016) / I

Burg Taufers, 09.07.2016

Die Burg Taufers gehört zu den mächtigsten Burgen Südtirols. Nicht zuletzt durch ihre Lage und ihre noch erhaltene reichhaltige Ausstattung gehört sie außerdem zu den Bekanntesten und Beliebtesten Ausflugszielen der Region und darüber hinaus.

Spätestens um 1220 entstand die Anlage, die zwar eine wechselvolle Besitzergeschichte vorweist, aber niemals zerstört wurde. Erst im 19. Jahrhundert setzte der Verfall ein, der auch mit der Verlegung der achthundertjährigen Gerichtsherrlichkeit zusammen hing. Auf der Burg wurde die hohe Gerichtsbarkeit ausgeübt, d.h. es wurden auch Todesurteile im Gerichtssaal der Anlage ausgesprochen und zumindest auch teilweise auf der Burg vollstreckt. Noch heute zeugen davon der Gerichtssaal mit der hölzernen Säule, an der laut der Burgchronik die Missetäter während der Verhandlung festgebunden waren, sowie die angebliche Folterkammer mit einem angeblichen Verlies und ein der Öffentlichkeit in der Regel nicht zugängliches angebliches Offiziersgefängnis im nicht restaurierten Teil der Burg.

Besonders bekannt ist auch das sog. Geisterzimmer, das eng verbunden ist mit der Sage über die unglückliche Margarethe von Taufers. Sie verliebte sich je nach Version in den Burghauptmann, einen Wachtposten oder einen Bauern – was ihrem Vater in jedem Fall gar nicht recht war. Dennoch setzte Margarethe die Hochzeit durch. Das Happyend schien nahe. Am Tag der Hochzeit aber wurde der Beinahe-Gatte von einem vergifteten Pfeil getroffen (es bleibt im Dunkel der Sage verborgen wo dieser herkam und was mit dem fiesen Schützen geschah) und er verstarb in Margarethes Armen in der Burgkapelle. Margarethe, verständlicherweise bestürzt, verbrachte die nächsten sieben Jahre eingeschlossen in ihren Privatgemächern, bevor sie sich dann aus dem Fenster stürzte. Seither spukt sie in der Kapelle oder eben wahlweise auch in jenem Geisterzimmer, das der Öffentlichkeit heute präsentiert wird.

Das G.E.T. wurde dieses Mal von Fabian und Hans von der HTWK Leipzig begleitet, die die Untersuchung für eine Dokumentation und Studioproduktion filmten.

Da das G.E.T. schon mittags auf die Burg durfte, hatte das Team einen großen Vorlauf und konnte die weitläufige und hochinteressante Location schon im Vorfeld ausführlich kennen lernen. Der Castellan Alexander Maier führte das Team nach einer Pause dann persönlich durch die Anlage und erläuterte während einer Führung, die weit über die gewöhnliche Touristenführung hinausging, historische Einzelheiten und das eine oder andere Schmankerl. 

Schließlich begann der Aufbau. An Herausforderungen darf es bekanntlich nie fehlen; dieses Mal bestand diese Herausforderung in einer Hochzeitsgesellschaft, die auf der Burg feierte. Obgleich diese Feier in anderen Räumlichkeiten bzw. teilweise auf dem Burghof stattfand, war die Beeinträchtigung durch die Lärmkulisse zumindest zeitweise erheblich. Eine technische Untersuchung der teilweise nach oben offenen Folterkammer wurde somit ausgeschlossen.

Folterkammer mit als Schrank getarnter Tür

Der Aufbau im Einzelnen:

Movetest : Richterzimmer

DVR 1: Kardinalszimmer bzw. Gästebereich

DVR 2: Richterzimmer und Gerichtssaal/Geisterzimmer und Bibliothek

Audio Sonja: Offiziersgefängnis/Gästebereich/Geisterzimmer

Während des Aufbaus wurden auffällig viele Aktivitäten registriert. Die Teammitglieder berichteten von Schattensichtungen, Kälte, dem Gefühl, beobachtet zu werden sowie der diffusen Empfindung, das eine Präsenz anwesend ist.

Beim ersten Sit-in in der Kapelle hatte Sonja das Gefühl, als krieche ein Kind vom Kapelleneingang Richtung Altar. Peps berichtete von einem stechenden Schmerz im rechten Ohr. Sowohl Peps als auch Micha empfanden kurzzeitig Schwindel. Bei der anschließenden Aktiv nahm Peps ein Kind als in der Tür stehend wahr.

Beim folgenden Sit-in im Siechenzimmer kam es zu erneuten Schattensichtungen.

Im Schlafzimmer des Kardinals folgte eine weitere, sehr deutliche Schattensichtung von Micha. Zudem kam es zu mehreren plötzlichen Technikausfällen: Ein Diktiergerät, dessen Batterien erst neu eingelegt worden waren, war ebenso plötzlich leer wie eine Cam, die von drei Energiebalken auf einen abrutschte, innerhalb von weniger als 5 Minuten. Die Batterien eines weiteren Diktiergerätes waren ebenfalls schon nach 10 Minuten Aufzeichnung leer.

Im Geisterzimmer und in der Bibliothek gab es keine Auffälligkeiten. Es folgten der Gerichtssaal und das Speise- bzw. Richterzimmer; in beiden Räumen gab es ebenfalls vor Ort keine Aktivitäten. Allerdings klagte Peps im Gerichtssaal über Kopfschmerzen. Das Offiziersgefängnis und der „Faulturm“ wiesen ebenfalls keine Besonderheiten auf.

Esszimmer

Gerichtssaal mit der Säule, an der die Delinquenten während der Verhandlung gebunden wurden

Offiziersgefängnis        

Ergebnisse:

Der Movetest im Esszimmer war – leider noch vor Beginn der Aufzeichnungen  – positiv. Der Becher war aus dem gezeichneten Kreis geschoben worden (siehe Fotos).

Fotos Movetest Esszimmer vor/nach positivem Ergebnis

Die Schattensichtungen konnten kameratechnisch leider nicht bestätigt werden.

Die HD-Cam zeichnete im sog. Siechen- oder Klassenzimmer ein Klopfen/Schlagen auf (siehe Doku).

Auffällig bei der IR war ein sog. „Orb“ aufgrund des deutlich sichtbaren, aber sehr langsamen Wechsels der Position im Licht des Blitzes (siehe Filmsequenz) im Richter-/Speisezimmer. Hier wurde auch kurzzeitig ein Temperaturabfall von – 1,5°C festgestellt.

Auch das „Hineinfließen“ einer „Masse“ in das Geisterzimmer zweimal hintereinander hinterlässt offene Fragen. Hierzu sei erwähnt, dass außerhalb des Gebäudes eine Drohne unterwegs war. Somit ist nicht abschließend auszuschließen, dass die Masse, die durch das Fenster hineinzukriechen scheint, in irgendeiner Form physikalisch erklärbar ist. Wie immer sind Ideen/Lösungsansätze willkommen.

Ebenfalls für das G.E.T. zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erklärbar ist das Auftreten eines Phänomens im Geisterzimmer, das von der IR DVR Cam aufgezeichnet wurde (siehe Video).

Audiotechnisch konnte das Team ein sehr deutliches „Hallo“ (Klasse A EVP) im Gerichtssaal aufzeichnen. Ferner sind Schritte oder Klopfen zu hören, die auch vor Ort wahrgenommen wurden.

Im Kardinalszimmer antwortete eine Stimme auf die Frage „Hast du Sonja schon den ganzen Tag begleitet“ mit einem „Ja“.

Nachdem sich das Team in dem Bereich Kardinalszimmer/Gästebereich auf drei Zimmer verteilt hatte, ist zudem ein Klopfen zu hören.

Bezüglich der Sage muss gesagt werden, dass hier zumindest keine nachweisbar existierende Person oder Begebenheit zu Grunde liegt. Das Geschlecht der Taufers starb bereits 1336 aus. Zum damaligen Zeitpunkt gab es das „Geisterzimmer“ an der heutigen Stelle noch nicht. Es entstand, gemeinsam mit dem Amtshaus und dem äußeren Burgtor mit den Wehranlagen, erst im 15. und 16. Jahrhundert. Auch ist keine Person namens Margarethe im Stammbaum der Familie Taufers vermerkt.

Dem bezaubernden Gesamteindruck tut dies keinen Abbruch. Und der Besuch von Folterkammer und Gefängnis hinterlässt selbstredend Gänsehaut.

Das Ghosthunter-Explorer-Team bedankt sich bei Castellan Alexander Maier und dem Südtiroler Burgeninstitut für das entgegengebrachte Vertrauen und die Erlaubnis, dieses großartige Objekt untersuchen zu dürfen.