Schloss Porcia

Schloss Porcia

29.04.2017

  

Das Schloss Porcia wurde ab 1534 von Gabriel von Salamanca-Ortenburg erbaut, allerdings erst mehr als 60 Jahre nach Baubeginn vollendet. Das Schloss wurde – bis auf einen Brand, der vorrangig das Dachgeschoss und das 2. Obergeschoss verwüstete – nie zerstört und ist heute ein über die Grenzen Österreichs bekanntes und geschätztes Kulturzentrum.

 

Das Renaissancegebäude hat aber auch noch eine andere Seite: Porcia gilt außerdem als eines der aktivsten Spukschlösser Österreichs. Ins Licht der Öffentlichkeit gelangte das Schloss 2007, als ein ausgelöster Alarm die Polizei auf den Plan rief. Die Ursache wurde nicht gefunden, wohl aber mehrten sich die Berichte von Augenzeugen, die „unglaubliches“ im Schloss erlebten. Klopfzeichen, ein deutlich vibrierender Boden, Schritte, eigensinnige Lampen und ein mindestens ebenso eigensinniger Fahrstuhl – das Potpourri angeblicher paranormaler Phänomene reicht weit. Kein Wunder also, dass bereits diverse Ghosthunter-Teams im Schloss unterwegs waren und das Gebäude auch für Fernsehsender mit ähnlichen Ambitionen interessant ist. Grundlage für den Spuk soll, wie so oft, eine Sage sein:

 

Gräfin Salamanca - Sage und Wirklichkeit

Katharina von Salamanca war eine Gräfin und Nachfahrin von Gabriel von Salamanca. Sie war der Sage nach eine hartherzige Frau und liebte auf der Welt nur ihren einzigen Sohn Johann. Eines Tages feierte die Gräfin ein Fest auf dem Schloss und die hungrigen Bürger Spittals kamen, um um Essensreste zu bitten. Doch die Salamanca verjagte sie und hetzte den Flüchtenden sogar die Hunde ihres Sohnes nach. Ein alter Mann konnte nicht schnell genug fliehen und wurde von den Hunden zu Tode gebissen. Bevor er starb, verfluchte er die hartherzige Gräfin. Bald sollte ihr Sohn ebenfalls von Hunden zerfleischt werden. Salamanca lachte nur. Doch die Worte des Bettlers wurden wahr. Johann versuchte streitende Hunde zu trennen und seine eigenen Tiere töteten ihn. Katharina von Salamanca trauerte tief um ihren Sohn und als sie ihr eigenes Ende nahen fühlte, beauftragte sie einen Maurer damit, ihre Schätze einzumauern, damit ihr niemand ihr Hab und Gut nehmen könnte. Den Maurer ließ sie töten und eine Zofe, die ebenfalls wusste, wo der Schatz versteckt war, erschlug sie mit einem Pantoffel. Nach dem Tod der Gräfin verbreiteten die Untertanen der Grafen die Geschichte weiter und man munkelt seit damals, dass die böse Frau keine Ruhe finden konnte und noch immer im Schloss Porcia umgeht.

(Quelle: http://www.schloss-porcia.at/index.php/das-schloss/geschichte/geschichten-rund-ums-schloss)

Die Wahrheit freilich soll eine andere sein, demnach war die dieser Sage zugrunde liegende Gräfin Eva Katharina von Ortenburg-Salamanca eine „herzensgute“ Frau, die im Gegenteil viel Gutes tat. Die „vergessenen“ Gebeine der Fürstenfamilie Porcia, die 2007 nach der „Spuknacht“ im Stadtarchiv gefunden und wenig später beigesetzt wurden, waren offensichtlich nicht der Auslöser für die Phänomene. Zuletzt stellte 2016 TLC die Geschehnisse um das Schloss nach und bis heute berichten Besucher, Mitarbeiter und auch der Museumsdirektor Dr. Helmuth Prasch von etlichen nicht erklärbaren Vorkommnissen.

Das Ghosthunter-Explorer Team traf am frühen Nachmittag am Schloss ein und durfte den Museums- und zeitgleich Untersuchungsbereich auch direkt auf eigene Faust erkunden. Das sehr sehenswerte volkskundliche Museum birgt zahlreiche Schätze und begeistert durch authentische Themenbereiche die z.B. komplette Zimmereinrichtungen und –aufbauten umfassen und sich über zwei Stockwerke ziehen. Teil dieser Ausstellung ist das sog. „Fürstenzimmer“, das neben einem gigantischen Bild, das die Salamanca zeigen soll, auch die einzigen übergekommenen Punkmöbel aus dem Schloss beherbergt.

Tatsächlich haben im zweiten Stockwerk allerdings nur die Mägde und sonstige Bedienstete geschlafen, die Repräsentations- und Wohnräume der Grafen befanden sich im ersten Geschoss des Schlosses.

 

Bei der Erstbegehung nahm Peps im Dachgeschoss in der sog. „Stube“ ein „komisches Gefühl, eine Enge“ wahr. Im „Schulzimmer“ hörte sie außerdem Schritte im hinteren Korridor. Gastermittlerin Alex hörte im Fürstenzimmer ein Geräusch aus der Richtung des „Kärnten-Panoramas“, das an das Fürstenzimmer anschließt. Sonja nahm beim Aufbau des Pendels im „Mitarbeiter-Erker“ im Dachgeschoss kurzzeitig eine Präsenz wahr.

Nach einem Fototermin mit der „Kleinen Zeitung“ und dem anschließenden Interview mit Dr. Helmuth Prasch begann der Aufbau der Geräte gegen 18.00 Uhr:

Fürstenzimmer: DVR Solo-Cam, Movetest mit einer Tasse und Untertasse sowie der Dash-Cam

Schulklasse: Movetest

Stube im DG: Doppel IR, Bewegungsmelder im Korridor, Leuchtball in der Stube

Gegen 21.00 Uhr startete dann die eigentliche Untersuchung im „Fürstenzimmer“. Das Parascope schlug zweimal aus, zudem wurde ein zweimaliges Klopfen und Schritte gehört. Es kam zu einem Energieaufbau und Sonja hatte das Gefühl, als würde jemand hinter ihr stehen und mit ihrem Haar spielen.

Im „Schulzimmer“ blieb zunächst alles ruhig – doch dann sagte Micha plötzlich: „Schritte!“ Peps bestätigte dies und dann ging alles plötzlich ganz schnell. Alle glaubten, es wäre vielleicht Dr. Prasch, der sich aus dem Gang nähert und dabei mit einer anderen Person redete und Lärm machte, als sie evtl. gegen einen Gegenstand stießen. Auch Gasthund Krümel bellte in die Richtung, aus der der Lärm kam und dann ebenso plötzlich wieder verstummte. Sofort begaben sich alle in Richtung der vermeintlichen Quelle, ohne jedoch jemanden zu entdecken. Trotzdem wurden sicherheitshalber nochmals alle Türen überprüft, auch hier ohne Erfolg. Das Team hatte sich alleine im Gebäude befunden.

In der „Stube“ im Dachgeschoss gab es keine Auffälligkeiten. Obwohl dieses nachgebildete und mit Möbeln die von einer Witwe gestiftet worden waren ausgestattete Zimmer tagsüber einen recht bedrohlichen und unangenehmen Eindruck hinterlassen hatte, blieb es nun absolut ruhig. Nur Hund Krümel mochte sich nicht recht darin aufhalten. Doch beim Verlassen bekam Sonja eine Art Schlag an den Hals. Peps bestätigte, in diesem Augenblick einen großen Schatten gesehen zu haben. Krümel bellte zudem mehrfach in eine Richtung des Ganges, in die sich das Team dann begab und sich ein paar Meter weiter nach vorne positionierte, vor einigen Kutschen und Rädern. Dort schlug das Parascope augenblicklich aus, wobei es in zwei Richtungen gleichzeitig aufleuchtete. Zuerst gemächlich, erfolgte bei der Frage, ob es sich bei dem Anwesenden um denjenigen handele, der Sonja angefasst hatte, ein sehr schneller Lichtwechsel.

Ein weiterer Besuch im „Fürstenzimmer“ blieb ohne Resultate, ebenso der „Mitarbeitererker“; doch hörten alle auf dem Weg dorthin eine Stimme.

Auch das „Klassenzimmer“ präsentierte sich beim zweiten Besuch deutlich ruhiger. Allerdings kam es zu einem erneuten Ausschlagen des Parascopes, das dieses Mal grün leuchtend eine Wesenheit ankündigte, die aus dem Bereich kam, in dem zuvor das Ereignis mit der vermeintlichen Störung stattgefunden hatte, sich kurz bis auf Höhe der Tafel in das „Klassenzimmer“ hinein begab, und sich dann rückwärts wieder entfernte.

Es wurde schließlich entschieden, den Abend zu beenden.

Bevor nun die Ergebnisse vorgestellt werden, sollen noch einmal ein paar Grundsätzlichkeiten festgestellt werden:

Die äußerst zentrale Lage des Schlosses in Spittal bringt eine nicht zu unterschätzende Lärmkulisse mit sich, die von Stimmen und Gelächter, Autos, schlagenden Autotüren, LKWs etc. alles umfasst.

Der Boden im Schloss schwingt extrem schon bei kleinsten Bewegungen. Dies betrifft mindestens das 2. OG und das Dachgeschoss, dessen Boden ebenfalls schwingt. Selbst wenn man in einiger Entfernung an dem „Movetest“ im „Fürstenzimmer“ mit der Tasse/Untertasse-Kombination vorbeiging, vibrierten diese extrem. Sogar eine Gewichtsverlagerung war spürbar. Dies könnte theoretisch zweifellos zu Fehlinterpretationen führen, ebenso wie diverse „Störgeräusche“ außerhalb des Schlosses.

Die „Urheberin“ des Spuks im Schloss soll ja eben jene Gräfin Salamanca sein, deren Darstellung auf einer real existierenden Person beruhte. Allerdings kränkelt die ganze Sage an den belegbaren Fakten:

Eva Katharina von Schrattenbach, die Gemahlin Georgs von Ortenburg-Salamanca (verstorben 1639), hatte ein sehr kurzes Leben (1608 – 1642) - und keine Kinder. Der Museumsdirektor und eine Mitarbeiterin der Stadt Spittal gehen davon aus, dass es sich bei „Johann“ evtl. um einen Neffen handeln könnte. Eine historische Person mit diesem Namen ist aber scheinbar nicht bekannt.

Somit erscheint es als äußerst fragwürdig, dass „Gräfin Salamanca“ für den Spuk im Schloss verantwortlich ist bzw. die paranormalen Vorfälle auf dieser Sage gründen.

 

Ergebnisse:

-          ein Foto mit der Digitalkamera zeigt im Fürstenzimmer während der ersten Aktiv eine Art Nebel, der auf keinem anderen Bild auftaucht. Atem o.ä. kann ausgeschlossen werden.

-          Klopfen und Schritte im Fürstensaal, festgehalten auf Audio und IR

-          ein Schatten im Fürstensaal, der von links nach rechts an Peps vorbei „läuft“

-          ein „Licht“ im hinteren Bereich des Flurs hinter Peps, das sich bewegt

-          ein weiteres „Licht“, das für Sekunden hinter einem Standschild aufblinkt

-          in dem Spiegel im „Dunklen Raum“ zeigt sich in der linken Ecke etwas, das aussieht wie ein Kind. Während die Stelle (Verschmutzung) oberhalb der Erscheinung auf jedem Bild sichtbar ist (und auch für die eine oder andere Diskussion sorgte und bei einigen Betrachtern vermutlich sorgen wird), gibt es kein vergleichbares Foto mit diesem „Gesicht“.

-          ein „Klirren“, bevor das Team das Schulzimmer verlässt (weitere Geräusche nicht herausfilterbar aufgrund der Bewegung innerhalb des Teams)

-          ein Geräusch, das an einen Schlüsselbund erinnert, als Micha und Sonja die Türen im Schloss nach dem Ereignis überprüfen. Niemand der Anwesenden hatte einen Schlüsselbund – bei dem Schlossschlüssel handelte es sich um einen einzelnen Schlüssel an einem Plastikteil.

Die Tatsache, dass das Schloss extrem hellhörig ist, hinterließ bei allen weiteren diskussionswürdigen Ergebnissen eine zu große Unsicherheit. Insbesondere was das Erlebnis im Schulzimmer anging, blieben so eine Menge Fragen offen. Denn auf sämtlichen Aufnahmen war nicht ansatzweise zu hören, was alle Vier vor Ort wahrgenommen hatten. Keine deutlichen Schritte, keine zuzuordnenden Stimmen – allein das fragile Klirren ist hörbar. Gewöhnlich werden während der Auswertung auf den Audiogeräten Geräusche oder Stimmen gehört, die vor Ort nicht wahrgenommen werden. Hier war es nun genau umgekehrt – ein scheinbar absolut reales Ereignis stellte sich im Nachhinein als wahrscheinlich Paranormal heraus - oder doch zumindest als eine Sinnestäuschung erster Klasse, quasi eine Folie á quatre… Die vermeintliche Wahrheit liegt ja bekanntlich im Auge des individuellen Betrachters.

Dokumentation:

Wir danken dem Museumsdirektor Dr. Helmuth Prasch und allen Angestellten/ehrenamtlichen Mitarbeitern des Schlosses Porcia sowie der Stadt Spittal an der Drau und unserer Ansprechpartnerin Jasmin Granig für die Erlaubnis, dieses wunderschöne und interessante Objekt untersuchen zu dürfen.