Burg Finstergrün

Burg Finstergrün

Das Wahrzeichen der Gemeinde Ramingstein im österreichischen Lungau wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut. Scheinbar wurde die Burg niemals im Krieg zerstört, sondern verfiel vielmehr zur Ruine aufgrund eines Waldbrandes 1841. 1901 erfolgte die Errichtung eines Neubaus an die Ruine, der letztlich nie vollendet wurde. Dennoch war die Burg im 20. Jahrhundert bewohnt und wurde im 2. Weltkrieg von den Nazis konfisziert, die dort Lehrerinnen ausbildeten. Vermutlich hat sie im Anschluss an den Krieg auch als Lazarett gedient. Heute ist die Teilruine im Besitz der evangelischen Jugend in Österreich und fungiert als Abenteuer-Erlebnis-Burg mit inkludierter Jugendherberge.

 

Schon in den frühen Jahren nach dem neuzeitlichen Anbau berichteten die Besucher von gespenstischen Phänomenen. So soll ein Bild des Grafen im Rittersaal (gemeint ist hier wohl der Neubau) immer wieder verschoben worden sein. Der Wasserhahn in der Küche, der mit einem Bewegungsmelder ausgestattet ist, soll immer wieder von alleine angehen, was von mehreren Angestellten beobachtet wurde. Dabei läuft er dann bis zu einer Minute, obwohl er sich im Normalfall nach wenigen Sekunden automatisch abstellt, wenn sich niemand mehr im Bewegungsmelderradius aufhält. Außerdem gab es diverse Schattensichtungen im Gebäude.

 

Nach siebenstündiger Anreise erreichte das Ghosthunter Explorer-Team gemeinsam mit dem Ghosthunter Team Bavaria die Burg. Sofort fielen allen die vielen Treppen im Gebäude auf. Das Quartier für beide Teams befand sich im vierten Stock. Kurz darauf wurden alle von Sören Bartavar begrüßt, dem Ansprechpartner für die Untersuchung, der zugleich auch die Burg vorstellte.

Es fiel allen sofort auf, dass die Burg extrem verwinkelt ist und alle hatten nach der Führung keine Orientierung mehr. Es wurde vereinbart, dass die Teams dem Schlafzimmer der Gräfin Szápáry am Abend noch einen Besuch abstatten wollten, da Peps beim Betreten des Raumes am Mittag ein Unwohlsein verspürt hatte. Daniel vom Ghosthunter Team Bavaria hatte seinerseits im „Jolanta“-Zimmer eine tiefe Traurigkeit übermannt, die er ebenfalls nicht zuordnen konnte. Nach dem Essen liefen also alle mit wenig Equipment los – ohne allerdings besagtes Zimmer zu finden. Nach einigem orientierungslosen Rumgeeiere entschieden sich daher alle, doch lieber die eigenen Zimmer wieder aufzusuchen. Als nicht sonderlich positiv produktiv erwies sich dabei auch die überraschende (weil zuvor nicht abgesprochene) Anwesenheit von rund 150 Kindern und Jugendlichen. Als Micha kurz auf dem Zimmer alleine war hatte er das Gefühl, als würde jemand zu ihm in den Raum kommen.

 

Nachdem am nächsten Tag, Sonntag, 25.08.2019, vermeintlich alle Gäste abgereist waren[1], begannen die Teams mit dem Equipment-Aufbau. Die  Verteilung der Technik stellte sich wie folgt dar:

DVR 1

  1. OG: 2 Cams im „Kartenspielzimmer“ des Grafen Szápáry, der sich in diesem Zimmer oft aufgehalten haben soll;

1 Cam im Gang neben dem „Schlafzimmer der Gräfin“ in Richtung Kapelle

1 Cam im Schlafzimmer selbst, zusätzlich Movetest und Lasergrid

DVR 2:

  1. OG: 1 Cam im „Jolánta“-Zimmer (Tochter des Grafen Szápáry), inkl. Bewegungsmelder

3 Cams im Rittersaal, zusätzlich Lasergrid und Movetest

In der Ruine der originalen Burg stand zudem eine Wildcam.

 

Gegen 20 Uhr begannen die Teams in der Ruine als einzig originalen Bestandteil der ehemaligen Burg mit der Untersuchung. Der Palas (das ehem. Hauptgebäude einer Burg) besteht heute nur noch aus seinen Außenmauern. Bereits bei der Erstbegehung hatten aber hier alle das Gefühl, dass es hier interessant werden könnte. Es hielten sich noch weitere fremde Personen in der Burg auf, dennoch begann das Team mit dem üblichen Sit-in. Nach relativ kurzer Zeit erfolgte der Übergang in die aktive Befragung, während der Sunny auch die Spiritbox mit Kopfhörern zum Einsatz brachte um zu hören, ob direkt Antworten auf ihre Fragen erfolgen würden. Jeder bestätigte, dass sich die Atmosphäre in dem Palas im Gegensatz zum Mittag des vorigen Tages deutlich gewandelt hatte und sich nun sehr angenehm zeigte. Peps fragte im weiteren Verlauf nach einem Mädchen mit blonden Haaren. Nach ca. 15 Minuten reagierte das Parascope und endete im Bereich des Ausgangs. Die Teams entschieden sich dann zurück in den Neubau zu gehen, um im Rittersaal die Untersuchung fortzusetzen.

 

Als besondere Trigger-Maßnahme hatten sich Sunny und Stefanie (letztere vom Ghosthunter Bavaria Team) Kleider im mittelalterlichen Stil angezogen. Zur Überwachung wurde außerdem die Kinect aufgebaut. Noch während der Vorbereitungen ertönte ein dumpfer Schlag aus einer Ecke des „Rittersaales“ und Daniel (vom Ghosthunter Bavaria Team) positionierte sich deshalb genau dort. Beim folgenden Sit-in saßen Sunny und Stefanie inmitten des Saales, Rücken an Rücken, und alle ließen die Stimmung des Raumes auf sich wirken. Im Anschluss spielten die Teams Musik im Mittelalter-Stil ein und Sunny und Stefanie begannen zu tanzen. Daniel hatte ständig das Gefühl, dass an einem der Eingänge jemand stehen und sie beobachten würde. Als Micha fragte, ob jemand vielleicht mit den Damen tanzen wollen würde, reagierte das Parascope, das sich in der Mitte des Saales befand. Sunny, Stefanie und Micha berichteten von einem Kältegefühl. Nach der „Tanzeinlage“ sang Stefanie ein ungarisches Liebeslied; Graf Szápáry war ungarischer Herkunft. Besonders Sunny berührte das Lied sehr und sie war sich im Verlauf nicht sicher, ob die Freude die sie plötzlich empfand ihre eigene Emotion gewesen war. Micha und Stefanie hatten durchweg das Gefühl, dass sich jemand auf einer Empore im Raum aufhielt.

Nächste Station war das „Schlafzimmer“ der Gräfin, welches angeblich auch als „Geburtenzimmer“ genutzt wurde. Hier sollte erstmals auch das Portal zum Einsatz kommen. Während der Untersuchung hörten alle immer wieder Schritte über dem Raum, allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass andere Burggäste sich dort aufgehalten haben. Schließlich gingen Daniel und Micha in das 2. Obergeschoss, um die Möglichkeit, dass andere Burgbesucher die Schritte verursacht hatten, auszuschließen. Bei dieser Gelegenheit (tatsächlich konnte die Gästethese nicht bestätigt werden, sodass die Herkunft der gehörten Schritte unbekannt bleibt; erwähnt werden muss hier aber der Ordnung halber, dass die Teams entgegen der ursprünglichen Absprache nicht alleine auf der Burg waren, sondern sich durchaus in ungeklärten Bereichen weitere Gäste aufhielten) starteten die Beiden zu zweit nochmals eine Untersuchung im „Rittersaal“. Peps, Sunny und Stefanie führten ihrerseits eine weitere aktive Befragung im „Schlafzimmer“ durch.

Micha und Daniel begaben sich dann in das „Kartenspielzimmer“, in dem der Graf Szápáry angeblich immer gerne Karten gespielt hatte. Peps, Sunny und Stefanie verblieben im „Schlafzimmer“ und versuchten, mit dem Portal eine Kommunikation aufzubauen. Dies gelang leider nicht. Sie versuchten es wieder mit Triggern und lenkten das Gespräch auf unerfüllten Babywunsch und Geburten. Sunny empfand ein regelrechtes Wechselbad aus kalten und warmen Schauern und Peps bekam plötzlich das Wort „Liebstöckel“ in den Sinn. Hier sei angemerkt, dass sich Peps nicht mit Kräutern und/oder Gewürzen beschäftigt und sich somit nicht über das normale Maß hinaus auskennt. Alle drei Damen hatten auch wieder das Gefühl, aus einer Ecke des Raumes beobachtet zu werden.

Micha und Daniel triggerten in der Zwischenzeit im „Kartenspielzimmer“, indem sie vorgaben, einen gemütlichen Männerabend mit Kartenspiel zu zelebrieren. Micha forderte den Grafen immer wieder auf, sich doch dazu zu setzen. Schließlich ertönte ein lautes Knacken, das sich nicht allein durch arbeitendes Holz erklären lässt. Micha bat zudem immer wieder um etwas zu trinken und als beide die Untersuchung schon beenden wollten, meldete sich plötzlich das Parascope in auffälliger Weise (siehe Video). Das Ablaufmuster entsprach nicht dem vorangegangener Untersuchungen.

Schließlich gingen Micha und Daniel zu den Damen zurück und die Untersuchung fand im „Schlafzimmer“ einen gemeinsamen Abschluss. Dabei reagierte das Parascope nochmals auf Aufforderung.

Ein Besuch des „Jolánta-Zimmers“ im 2. Obergeschoss endete nach kurzer Zeit – der lange Tag zerrte an der Aufmerksamkeit und die Anwesenheit der anderen Burggäste machte das Ganze nicht unbedingt einfacher. Zwar meldete sich nochmals das Parascope, aber die Teams entschieden sich lieber noch eine weitere Untersuchung in den eigenen Unterkünften durchzuführen, da dort gewährleistet war, dass sie alleine bzw. ungestört waren.

Sunny und Stefanie arbeiteten hier mit der Spiritbox und setzten die Kopfhörer auf, sodass sie nicht mitbekamen, welche Fragen Micha im „Gespräch“ stellte und einfach laut mitteilen konnten, welche „Antworten“ aus der Spiritbox kamen (siehe Video). Die Untersuchung wurde gegen 01.30 Uhr beendet.

Dokumentation

 

 

Ergebnisse :
Palais / Ruine der Burg:
Kurz vor Ende der Untersuchung reagiert das Parascope 360° und endet Richtung Ausgang des Palas‘


Rittersaal:
Kinect Sequenz zeigt neben Micha ein Strichmännchen, als er neben der Säule in Mitten des Raumes steht. Von der Größe könnte ein Kind vermutet werden, welches dann auch wieder verschwindet als Micha sich von der Säule wegbewegt. Eine Fehlprojektion kann ausgeschlossen werden, da keinerlei Utensilien wir Stuhl oder Tisch o.ä. in der Nähe standen.
Parascope 360° reagierte 2 mal während des Triggerns, als Sunny und Steffi im Rittersaal zu eingespielter Musik getanzt haben.

Schlafzimmer der Gräfin:

Die Analysen des eingesetzten Portals zeigten mehrere Portal EVPs:

Portal EVP 1:  hier wird der Name „Sandra“ erwähnt und danach „Hör auf—Jetzt“
Portal EVP 2: Es wird eine „Tante Frau Werner“ erwähnt, welche wohl eine Bekannte Person von Sunny ist.
Portal EVP 3: Eine Stimme sagt: „Aus dem Hemd geschlüft“
Portal EVP 4: Micha fragt ob das Parascope bitte ausgelöst werden kann. Antwort: „zu zeitnah“
Portal EVP 5: Ein Stimme mit österreichischem Dialekt sagt: „Hab scho ghört --- Passt scho“
Portal EVP 6: Eine Stimme schimpft: „Gott verdeckel (?) …. Licht..“
Portal EVP 7: Der Name „Jolanta“ wird gesagt. Diese war die Tochter des Grafen und lebte auch auf der Burg Finstergrün
Portal EVP 8:  Ein App spielt die Wörter rückwärts ab, plötzlich ist das Wort „befreit“ vorwärts gesprochen zu hören
Portal EVP 9: Es hört sich an als ob sich Personen miteinander unterhalten und sagen: „Habt ihr es gehört ----Lass uns schaun“
Portal EVP 10: Peps sagt in die Runde, dass sie das Diktiergerät abschaltet. Als Antwort kommt aus dem Portal: „Schönen Abend“

Wir danken der evangelischen Jugend Österreich für die Möglichkeit, die Burg Finstergrün untersuchen zu dürfen. Wir danken außerdem dem Ghosthunter Team Bavaria für die hervorragende Zusammenarbeit, die nur mit einer Partnerschaft beantwortet werden kann ;).

 

 



[1] Tatsächlich hielten sich während der Untersuchung weitere Personen in der Burg auf, was leider dazu führt, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass bestimmte Geräusche doch einen sehr irdischen Ursprung haben